
Nur wenn wir lange genug schlafen, können wir gesund und aktiv sein." (Foto: DAK/Wigger)
Jugendliche machen die Nacht oft zum Tag. Kneipen- und Diskothekenbesuche bis in die frühen Morgenstunden sind keine Seltenheit. Auch in der Werbung wird meist deutlich: Schlaf hat in der heutigen Gesellschaft wenig Platz. Dabei können ein bis zwei Stunden Schlafdefizit auf Dauer schon unbemerkt krank machen. Wer nur über einen kurzen Zeitraum seinem Körper zu wenig Schlaf gönnt und seien es nur sieben statt der üblichen acht Stunden kann einfach nicht mehr so viel leisten.
Betroffene fühlen sich oft nicht einmal müde. Trotzdem erscheint ihnen alles schwieriger als sonst, erläutert der amerikanische Schlafforscher William C. Dement. Ständige Müdigkeit am Tag zeugt dann schon von einem deutlichen Schlafproblem. Die Symptome sind vielfältig. Einige Menschen werden aggressiv und reizbar. Andere reagieren hingegen unmotiviert und gleichgültig. Gefährlich wird es spätestens dann, wenn sich die Reaktionen verlangsamen. Australische Forscher haben festgestellt, dass eine durchwachte Nacht ähnlich wirkt wie 1,0 Promille Alkohol im Blut.
Längerer Schlafmangel macht erst richtig krank. Sehstörungen, Kribbeln in den Armen und Beinen oder Blutdruckveränderungen sind keine Seltenheit. Auch ein erhöhter Glukosespiegel im Blut wie bei Zuckerkranken ist möglich. Von der Psyche ganz zu schweigen: Wer ständig übermüdet ist, kann sogar depressiv werden. Dabei gibt es viele gute Gründe, länger zu schlafen. Für unsere Gesundheit ist ausreichender Schlaf genauso wichtig wie eine gute Ernährung, sagt Frank Meiners. Nur wenn wir lange genug schlafen, können wir gesund und aktiv sein. Wir werden ausgeglichener und belastbarer. Auch Motivation, Gedächtnis und Konzentration profitieren davon. Wir fühlen uns einfach wohler.
Wie viel Schlaf ist normal?
Auf eine ganz genaue Zeitangabe will sich die Wissenschaft nicht festlegen. Sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht seien optimal. Aber: Generell muss jeder für sich herausfinden, nach wie vielen Stunden Schlaf er sich am besten fühlt, sagt Jürgen Zulley, deutscher Schlafforscher der Universität Regensburg. Wer sich mühsam und müde über den Tag schleppt, schläft zu wenig oder falsch.
Das Schlaftagebuch
Ob für den eigenen Überblick oder für den Arzt, ein Schlaftagebuch bringt so einiges aus der Nacht ans Tageslicht. Das Tagebuch sollte zwei Wochen lang geführt werden. Darin notiert man Antworten auf folgende Fragen:
Wann gehe ich ins Bett?
Wie lange brauche ich um einzuschlafen?
Wie häufig und wie lange liege ich nachts wach?
Was tue ich während der Wachphase?
Wann wache ich morgens auf und wann stehe ich auf?
Wie lange habe ich nachts insgesamt geschlafen?
Nur noch müde? Ab wann zum Arzt?
Wer seit einem Monat jede zweite Nacht nicht schlafen kann, sollte sich vom Arzt helfen lassen. Müdigkeit und Antriebsschwäche nehmen sonst überhand. Der Arzt braucht aber genaue Angaben, um zu helfen. Zum Beispiel: Wann gehe ich ins Bett? Wie lange brauche ich zum Einschlafen? Wie oft und wann bin ich nachts wach? Wann bin ich tagsüber müde? Schlafe ich tagsüber? In ein Schlaftagebuch werden die Schlaf- und Wachzeiten notiert. Der Arzt fragt auch nach Medikamenten, Kaffee- und Alkoholkonsum, nach Schichtarbeit und Freizeitaktivitäten. Er klärt, ob es zu Hause oder bei der Arbeit Probleme gibt. Außerdem wird er untersuchen, ob vielleicht eine psychische oder körperliche Krankheit hinter der Schlafstörung steckt.
Schlafen als Anti-Aging-Programm
Positiver Nebeneffekt: Wer genügend schläft, altert nicht so schnell. Auch Übergewicht hat eine geringere Chance. Denn während des Schlafens sorgt der Körper dafür, dass er gesund und schön bleibt. Er produziert den
Großteil seiner Wachstumshormone, die für die Zellerneuerung wichtig sind. Außerdem wird das Gehirn in einigen Phasen der Nacht doppelt so stark durchblutet wie sonst. Das zentrale Nervensystem und die Psyche erholen sich.
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