Liebe ohne Lust: Nachgeben, ohne zu begehren
> Höflichkeits-Sex: Keine Lust - und trotzdem...

Liebe, Lust oder Leidenschaft - das sind die Zutaten, aus denen Sex besteht. Doch auch Sex aus Höflichkeit kommt vor, und zwar gar nicht so selten. Warum Frau und Mann dem anderen Geschlecht den Gefallen tun.

Frauen, das beweist eine amerikanische Studie, neigen zu so genannten "fürsorglichen Lügen", die dazu dienen, dass andere sich nicht schlecht fühlen: Das "Nein, du bist nicht dick!" zur besten Freundin fällt in diese Kategorie. "Die Begründung, dass die Frau keine Lust hat, beziehungsweise keine Lust auf ausgerechnet ihn hat, wird als verletzend empfunden", sagt Professorin Jeannette Schmid. Um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen, geben Frauen dann schon mal nach, obwohl sie den Mann nicht begehren.

Hinzu kommt, so Psychologie-Prof. Georg Felser, der so genannte
fundamentale Attributs-Irrtum: "Um unser Verhalten vorauszusagen, neigen wir dazu, nur unsere Eigenschaften in Rechnung zu ziehen, nicht aber die Situation, in der wir uns befinden", erklärt Felser. Frauen, die glauben, ihr Wille zu gehen sei stark genug, unterschätzen zuweilen die Macht der äußeren Faktoren. Werden sie beispielsweise mit Geschenken überrascht oder einem zauberhaften Abendessen verwöhnt, kann sich die innere Einstellung - aus Höflichkeit - schnell ändern, denn "ein Gefallen, der uns getan wird, übt subtilen Druck aus", weiß Felser.

Auf Männern hingegen lastet ein soziales Klischee, das dazu führen kann, dass sie sich gegen ihren Willen auf eine Frau einlassen: das Klischee, immer zur Fortpflanzung bereit sein zu müssen. Wenn also eine Frau klare Signale gibt, gehört es sich einfach nicht, dem zu widersprechen. "Ein Mann ist hilflos, wenn er keine Lust hat", sagt Psychologe Robin Schaeffer in der Zeitschrift "Petra". Er verstößt gegen gesellschaftliche, psychologische und anthropologische Gesetze, wenn er das Angebot einer Frau ausschlägt.

WANC 17.09.04
 
 
 
 
 
 
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