Medikamente
Vitaminpillen: Wer sich gesund ernährt, deckt seinen Vitaminbedarf bereits. Zusätzliche Multivitaminpräparate können sogar schaden (Foto: BBC).
> Zu viele Vitamine sind ungesund

Die
ständige Einnahme einer hohen Dosis von Multivitaminen ist –
anders als man vielleicht glaubt – nicht gesund, sondern im
Gegenteil gefährlich. Wer zu viele Vitamine schluckt, erhöht
das Risiko auf eine Krebserkrankung der Prostata um das Doppelte.


Viele
Menschen nehmen Vitamine, um ihre Gesundheit zu verbessern. Deshalb
sind Mulitvitaminpräparate besonders beliebt, weil mit einer
Pille oder Brausetablette die wichtigsten Vitamine in einem
„Aufwasch“ geschluckt werden können. Doch die
US-Fachzeitschrift „Journal of the National Cancer Institute“
betont, dass es für den Nutzen der Multivitaminpillen wenig
wissenschaftliche Begründung gibt.



Jetzt
zeigt eine Studie des National Cancer Institute in Bethesda, dass die
regelmäßige Einnahme von Multivitaminen das Risiko auf ein
tödliches Prostatakarzinom verdoppelt. Beobachtet wurden
295.344 Männer. Nach fünf Jahren waren 10.241 von ihnen an
einem Prostatakrebs erkrankt, davon 8765 an lokalisierten Tumoren und
1476 an einem fortgeschrittenem Prostatakarzinom.



Jene
Männer, die Multivitamine mehr als sieben Mal pro Woche
einnehmen, erkrankten nach der Auswertung von Karla Lawson vom
US-National Cancer Institute zwar nicht häufiger an
lokalisierten Prostatakarzinomen als Teilnehmer, die niemals Vitamine
schluckten. Doch für die fortgeschrittenen Prostatakarzinome
errechnet die Epidemiologin ein um 32 Prozent erhöhtes
Erkrankungsrisiko der Vitaminkonsumenten. Das relative Risiko auf ein
tödliches Prostatakarzinom war sogar fast verdoppelt. Das
absolute Risiko ist indes gering.



Wie
das „Deutsche Ärzteblatt“ berichtet, ist das schon die
zweite Studie innerhalb weniger Wochen, die das Vertrauen in die
Sicherheit von Vitaminpräparaten erschüttert. Im Februar
war eine Analyse zu dem Ergebnis gekommen, dass die Einnahme von
antioxidativen Vitaminen möglicherweise die Sterblichkeit
erhöht.



Dennoch
besteht nach der Einschätzung des „Deutschen Ärzteblattes“
für bisherige Anwender kein Grund für übertriebene
Ängste oder ein außerplanmäßiges
Screening. Die Studie beschädigt indes das positive Image
von Multivitaminpräparaten, die von vielen Verbrauchern ohne
jeglichen Gedanken an mögliche Risiken und Nebenwirkungen auch
in hohen Dosierungen eingenommen werden.



Dass
hohe Dosen von Vitaminen mehr schaden als nutzen können, ist
seit längerem in der Diskussion. Mediziner betonen jedenfalls,
dass die meisten Menschen mit einer vernünftigen Ernährung
ihren täglichen Vitaminbedarf mehr als ausreichend decken.
Deshalb gibt es aus deren Sicht auch keine medizinische Notwendigkeit
für eine tägliche Vitaminergänzung durch Pillen.



WANC
18.05.07

 
 
 
 
 
 
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