Die Fortpflanzungsfähigkeit von Männern scheint auch von der Ernährung abhängig zu sein (Foto: Ronny Senst/ pixelio.de)
Die Fortpflanzungsfähigkeit von Männern scheint auch von der Ernährung abhängig zu sein (Foto: Ronny Senst/ www.pixelio.de)
> Vegetarier: Schlechtere Qualität des Sperma

Was, der Verzicht auf Fleisch soll das Sperma verschlechtern? Heißt das, dass Fleischesser bessere Chancen auf Nachwuchs haben? Wer zwei US-Studien Glauben schenkt, der muss diese beiden Fragen nicht direkt mit ja beantworten. Zwar haben die Untersuchungen gezeigt, dass vegetarische Kost die Spermienzahl verringert und die Samenzellen weniger aktiv macht. Doch das liegt nicht nur am Verzicht auf Fleisch.

In der ersten Studie haben Wissenschaftler der Harvard School of Public Health und Mediziner vom Massachusetts General Hospital 155 Männer in den Jahren 2007 bis 2012 beobachtet. Dabei stellten sie fest, dass die Männer, die am meisten Früchte und Gemüse verzehrten, unter einer um 70% verminderten Spermienmobilität und um einer um 64% reduzierten Spermienzahl litten. Allerdings fanden sie heraus, dass die schlechterer Fortpflanzungskraft nicht in erster an dem Obst und Gemüse selbst lag. Vielmehr spielte es die Hauptrolle, ob Obst und Gemüse kaum oder sehr stark mit Pestiziden behandelt worden war. Waren Obst und Gemüse nur wenig kontaminiert, hatte der Verzicht auf Fleisch so gut wie keine Auswirkungen auf die Spermienqualität.

In der zweiten Studie haben Forscher Linda University School of Medicine in Kalifornien das Sperma von 26 Vegetariern, 5 Veganern und 443 Fleischessern in den Jahren zwischen 2009 und 2013 untersucht. Sie fanden heraus, dass sich bei Fleischverächtern pro Milliliter Samenflüssigkeit 50 Millionen Samenzellen tummelten, während bei Fleischessern die Spermienanzahl bei 70 Millionen Spermien pro Milliliter lag. Zudem erwies sich die Mobilität die Spermien der Fleischliebhaber mit 58% höher als die der Samenzellen der Vegetarier mit 33%.

Welche Einflüsse sich bei dieser Studie ausgewirkt haben, können die Forscher nur vermuten. Ein Grund für die schlechtere Spermienqualität könnten beispielsweise pflanzliche hormonähnliche Stoffe sein. Den sogenannten Phytoöstrogenen werden zwar viele für die Gesundheit positive Wirkungen nachgesagt, aber sie verändern auch den Hormonhaushalt. So weiß man seit vielen Jahren, das ein Zuviel an Phytoöstrogenen die Fortpflanzung von Säugetieren, in dem bekannten Fall waren es Schafe, stören kann. Die kalifornischen Wissenschaftler gehen wie ihre Kollegen ebenfalls davon aus, dass chemische Rückstände in Obst und Gemüse in hoher Konzentration die Zeugungsfähigkeit beeinflussen.

Berliner Ärzteblatt 29.10.2014/ Quelle: 70th Annual Meeting of the American Society for Reproductive Medicine

 
 
 
 
 
 
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