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Die Gene eines Menschen spielen eine wichtige Rolle bei der Festlegung der Form unseres Körpers - doch die Gene können sich im Laufe des Lebens verändern (Foto: Stock photo)
> Wie Gene unser Gewicht manipulieren
Das könnte einem das schlechte
Gewissen nehmen: Nicht man selbst ist an seinem Übergewicht schuld,
sondern chemische Veränderungen der Gene verursachen Fettsucht und
hohes Körpergewicht. Doch so einfach ist es wohl nicht: Die beiden
Hauptursachen für das Dickwerden bleiben falsche Ernährung und
mangelnde Bewegung. Die Gene sind dafür verantwortlich, wie
unterschiedlich der einzelne Mensch auf bestimmte Lebens- und
Umweltbedingungen reagiert.
Die Gene eines Menschen spielen eine wichtige Rolle bei der Festlegung
der Form unseres Körpers. Diese Rolle dürfte jedoch bei der Zeugung
nicht für immer fixiert worden sein. Andrew Feinberg von der Johns
Hopkins University School of Medicine und Daniele Fallin of the Johns
Hopkins Bloomberg School of Public Health gehen aber davon aus, dass es
im Laufe des Lebens zu chemischen Veränderungen der Gene kommen kann.
Und die bestimmen, wie dick ein Mensch wird. Allerdings haben die beiden Wissenschaftler in ihrer Studie auch
erkannt, dass anscheinend nicht nur die Gene wichtige
Körpereigenschaften bestimmen. Umweltreize und -bedingungen können
ebenfalls eine Rolle spielen, indem sie die Genaktivität verändern.
Diese Veränderungen beeinflussen, ob Gene aktiv sind oder nicht. Diese neuen Forschungsergebnisse beziehen sich auf Veränderungen bei
der Methylierung – womit eine chemische Abänderung an den
Grundbausteinen der Erbsubstanz einer Zelle gemeint ist. Durch das
Hinzufügen von Methylgruppen zur DNA können Gene aktiviert oder
deaktiviert werden und die Aktivität eines Gens eingeschränkt werden.
FDie Wissenschaftler identifizierten in der Folge 13 methylierte Gene,
die bei übergewichtigen oder fettsüchtigen Teilnehmern eher vorhanden
waren als bei normalgewichtigen. Diese chemischen Veränderungen könnten als Reaktion auf
Umweltbedingungen wie die Ernährung in der Kindheit oder sogar jener
der Mutter während der Schwangerschaft entstanden sein. Feinberg
erklärte, dass derzeit nicht erforscht sei, in welchem Ausmaß Gene und
Umwelt gemeinsam zu diesen permanenten Veränderungen der Methylierung
führen. Beide werden jedoch von den Wissenschaftlern für wichtig
gehalten. Bereits im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler sechs Gene
identifiziert, die die Neigung zu Fettleibigkeit verstärken. Iris Heid
vom Helmholtz Zentrum München rückte die Zusammenhänge aber ins
richtige Licht: „Die beiden Hauptursachen für das Dickwerden sind
natürlich falsche Ernährung und mangelnde Bewegung. Aber die Biologie
dieser Gene deutet darauf hin, dass genetische Faktoren dahinterstehen,
wenn Menschen auf Lebensstil- und Umweltbedingungen unterschiedlich
reagieren." 24.09.10, Quelle: Science Translational Medicine, NewScientist
 
 
 
 
 
 
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