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Das schmerzfreie Krankenhaus scheitert an fehlender Absprache und Kooperation (Foto: Stock photo)
> Krankenhaus: Unnötig starke Schmerzen
Patienten erleiden im Krankenhaus mehr
Schmerzen, als notwendig wäre. So müssen mehr als 80 Prozent der
Patienten in Krankenhäusern zu starke Schmerzen erdulden. Dabei ist das
„schmerzfreie Krankenhaus“ durchaus möglich, wie Forscher feststellen.
Es ist nur meist noch nicht Realität. In den meisten Kliniken scheitert
es an fehlenden Absprachen und Kooperationen zwischen den einzelnen
Ärzten sowie den Pflegekräften.
Forscher unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Maier
(Schmerzambulanz RUB-Klinikum Bergmannsheil) werteten für das Projekt
„Schmerzfreies Krankenhaus“ Fragebögen von 4.157 Patienten aus, die
zwischen 2004 und 2006 in 25 deutschen Kliniken interviewt worden
waren. Erfasst worden waren der aktuelle Ruheschmerz, der aktuelle
Belastungsschmerz und der maximale Schmerz in den letzten 24 Stunden.
Rund ein Drittel der Patienten auf chirurgischen und konservativen
Stationen gaben an, unter mäßigen bis starken Ruheschmerzen zu leiden;
mehr als die Hälfte klagten über belastungsabhängige Schmerzen dieser
Stärke. Insgesamt klagten mehr als die Hälfte aller Patienten (55 % operierte,
58 % konservativ behandelte), unerträgliche Schmerzen zu haben. Bei
zwei Dritteln der Patienten traten die schlimmsten Schmerzen außerhalb
der normalen Dienstzeiten des Personals auf, z.B. nachts. Dabei waren
die Ergebnisse auf konservativen Stationen schlechter als auf
chirurgischen. 85 % aller operierten Patienten erhielten ein
Schmerzmittel, aber nur 57 % der konservativ behandelten. Über 55 % der
Befragten gaben der Schmerztherapie eine schlechte Note. Die Erhebung zeigte aber auch, dass es in einigen Kliniken durchaus
gelingt, den meisten Patienten eine adäquate Schmerzbehandlung
anzubieten. „Nach den Erfahrungen im operativen Bereich wäre vermutlich
auch in konservativ therapierenden Abteilungen der erste entscheidende
Schritt, eine spezielle Betreuung von Patienten mit starken oder schwer
behandelbaren Schmerzen durch einen Akutschmerzdienst sicherzustellen“,
sagen die Experten. Positiv bewerteten sie, dass Patienten mit
Tumorerkrankungen wesentlich besser schmerztherapeutisch versorgt sind
als früher. Auch die Verfahren der „Fast-Track“-Chirurgie lobten sie. Dabei erholen
sich Patienten nach großen Eingriffen schneller, auch aufgrund einer
lückenlosen Schmerzbehandlung. „Für die besonders häufigen kleineren
Eingriffe gibt es aber kaum fachübergreifende schmerztherapeutische
Absprachen“, kritisieren die Spezialisten. „Diese Befragung spiegelt die Ausgangssituation des Projekts
‚Schmerzfreies Krankenhaus‘“, erklärt Maier, „inzwischen sind wir
natürlich weiter. Und unsere Erfahrungen mit über 70 Abteilungen
zeigen, dass sich die Schmerzbehandlung durch Schulung, Motivation,
Regeln zum Umgang mit Schmerzen und eine verbesserte Kooperation
zwischen Ärzten und Pflegepersonal wesentlich verbessern lässt.“ WANC 16.09.10, Quelle: Maier, Christoph; Nestler, Nadja; Richter,
Helmut; Hardinghaus, Winfried; Pogatzki-Zahn, Esther; Zenz, Michael;
Osterbrink, Jürgen: Qualität der Schmerztherapie in deutschen
Krankenhäusern/The Quality of Pain Management in German Hospitals. In:
Arztebl Int 2010; 107(36): 607-14, DOI: 10.3238/arztebl.2010.0607
 
 
 
 
 
 
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