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Probiotika sollen Entzündungsprozesse im Darm hemmen (Foto: Stock photo)
> Probiotika: Was können sie bewirken?
Der Verzehr von Probiotika kann
chronische Entzündungsprozesse im Darm hemmen. Das funktioniert, weil
die Bakterien die Darmoberfläche widerstandsfähiger machen. Selbst bei
Schwerkranken kann dieser Effekt unter Umständen nutzen. Bei falscher
Anwendung können sie allerdings auch schaden.
Die Bedeutung der Darmflora bei bestimmten Erkrankungen wurde bereits
um das Jahr 1900 entdeckt. Ebenso der Einsatz von lebenden
Mikroorganismen, die bei der Therapie bestimmter Erkrankungen
gesundheitsförderlich beim Menschen verwendet werden können. Diese
sogenannten Probiotika werden aber erst seit den 80-er Jahren intensiv
erforscht - neuerdings auch bei schwerkranken Patienten auf
Intensivstationen. Die Ergebnisse der Studien sind unterschiedlich, drei beurteilen den
Einsatz positiv, drei ausgeglichen und zwei negativ. „Bestimmte
Probiotikastämme, wie zum Beispiel Lactobazillus-Stämme können bei
ausgewählten Erkrankungen und Patienten eine positive Wirkung haben,"
unterstreicht Prof. Dr. Stephan C. Bischoff, Direktor des Institutes
für Ernährungsmedizin der Universität Hohenheim in Stuttgart. So sei der Einsatz zum Beispiel bei akuten, infektiösen
Durchfallerkrankungen, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
(Colitis ulcerosa), beim Reizdarmsyndrom, bei Kleinkindern mit schwerer
Darmentzündung und bei antibiotika-assoziiertem Durchfall durchaus
sinnvoll. Analysen, die mehr als 1.000 Patienten eingeschlossen haben,
hätten dies bestätigt. Wichtig sei, spezifisch die Wirkung von
Probiotika zu beurteilen und sie nicht pauschal einzusetzen. So sei
dagegen der Einsatz bei ernsthaft Kranken und Patienten auf einer
Intensivstation sehr viel kritischer zu bewerten, da bei diesen
Menschen häufig der Darm insgesamt so weit geschädigt sei, dass
Probiotika dort eher schaden als helfen. Insgesamt gibt es rund 20 bis 30 verschiedene Probiotikastämme. Ihnen
gemeinsam ist es, dass sie die Passage durch den Magen mit seiner
Magensäure und die Verdauungsenzyme im Darm unbeschadet überstehen. Sie
siedeln sich dann zeitbegrenzt in der vorhandenen Darmflora an, in der
bereits über 500 verschiedene Mikroorganismen ihre Verdauungsarbeit
tun. Eingesetzt werden sie hauptsächlich, um die Lactose-Verdauung
(Verwertung von Milchzucker) zu fördern, krankheitserregende Keime im
Darm zu unterdrücken und die Dauer bestimmter Formen von Durchfall -
vor allem durch Viren verursacht - zu verkürzen. Ebenso können sie
Allergien, Neurodermitis und Infektionen bei Frühgeborenen positiv
beeinflussen. Probiotika werden entweder als Kapsel verordnet oder sind
Joghurts zugesetzt. Bei den Joghurts haben Studien festgestellt, dass
sich zum Beispiel die Probiotikastämme Lactobazillus casei defensis und
Lactobazillus casei Shirota positiv bei antibiotika-assoziierter
Durchfallfallerkrankung auswirkt. Bei schwerkranken Patienten dagegen sollten Probiotika nur im Rahmen
von sorgfältig geplanten und ärztlich geleiteten Studien eingesetzt
werden. Hier muss noch herausgefunden werden, welche Probiotika bei
welchen Krankheitsbildern tatsächlich wirksam und auch sicher sind. Bei
korrektem Einsatz können Probiotika tatsächlich Erstaunliches bewirken
Bei falscher Indikation können sie aber auch, wie andere wirksame
Therapeutika, unerwünschte Wirkungen haben.  WANC 10.11.09/ Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V.
 
 
 
 
 
 
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