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Entzündungszellen, die eigentlich Krankheitserreger bekämpfen sollen, können zum Helfer eines Tumors werden (Foto: Stock photo)
> Entzündungen rufen Krebs hervor
Entzündungen könnne weit mehr sein als
der Ausdruck einer Infektion. Vor allem chronische Entzündungen bergen
die große Gefahr in sich, noch schlimmere Krankheiten zu befördern. So
tragen Entzündugen zur Entstehung von Diabetes und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei. Inzwischen weiß man aber auch, dass
Entzündungen der Ursprung von Krebs sein können.
In Tumoren finden sich oftmals Makrophagen in großer Zahl – das sind
die klassischen Entzündungszellen des angeborenen Immunsystems, die für
Bekämpfung von Bakterien und extrazellulären Parasiten verantwortlich
sind. „Bei verschiedenen Tumortypen konnte in der Tat ein ursächlicher
Zusammenhang zwischen chronischer Entzündung und Tumorentstehung sowie
-progression belegt werden“, erläutert der Dr. Abdo Konur. So führt
eine chronische Infektion der Magenschleimhaut mit dem Bakterium
Helicobacter pylori und die dadurch ausgelöste Entzündungsreaktion
häufig zur Entstehung einer bestimmten Art von Magenkrebs. In jüngster Zeit kommt man immer mehr dahinter, welchen großen Einfluß
Entzündungen auf die Gesundheit des Menschen haben. In der Tat scheinen
Entzündungen zu praktisch allen chronischen Erkrankungen beizutragen.
Die Liste umfasst die rheumatoide Arthritis oder den Morbus Crohn (eine
Enzündug des Darms), aber auch Leiden wie Diabetes oder Depressionen
sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Seit Anfang dieses Jahrzehnts ist man auch der Verbindung von
Entzündungen und Krebs auf die Spur gekommen. Inzwischen haben die
Wissenschaftler erkannt, “dass der Entzündungszustand des Immunsystems
ein entscheidender Faktor im mittleren Stadium der Tumorbildung ist”,
wie es Spektrum der Wissenschaft ausdrückt. Und das findet in dem Stadium statt, in dem sich die Gewebserkrankung
zum Tumor wandelt. Zellen, die eigentlich der Heilung von Wunden
dienen, gelangen in den Einzugsbereich des Tumors. Und der ist
mittlerweile zu einem Monster geworden, der die auf Hilfe getrimmten
Verteidiger umfunktioniert und in seinen Dienst stellt. Die vom Krebs
befehligten Truppen wenden sich jetzt gegen den eigenen Körper und
ermöglichen so den Krebszellen, ihre mörderische Ausbreitung. Mittlerweile ist man den komplexen Interaktionen zwischen Tumor- und
Entzündungszellen auf zellulärer und molekularer Ebene etwas näher
gekommen. Inzwischen kennt man einige wenige für die Tumorentstehung
und -entwicklung wichtige entzündungsrelevante Mechanismen und
Moleküle. Wissenschaftler forschen jetzt in dem auf drei Jahre
angelegten Programm des LOEWE-Schwerpunktes daran, weitere Mechnismen
zu identifizieren und so neue Behandlungsoptionen abzuleiten. Dabei
kommt ihnen vielleicht zur Hilfe, dass sich Entzündungszellen in vielen
Tumoren befinden und es somit zu einer direkten Interaktion und
gegenseitigen Beeinflussung kommt. 29.09.10, Quelle: Philipps-Universität Marburg, LOEWE-Schwerpunkt „Tumor und Entzündung“, Spektrum der Wissenschaft
 
 
 
 
 
 
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