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Bei Asthma bronchiale kommt es zu einer chronischen Entzündung der Atemwege (Foto: mq)
> Warum Asthma entsteht
Noch immer ist das Entstehen von
Asthma ein Mysterium. Zwar weiß man um die Einflüsse von
allergieauslösenden Stoffen, eines fehlgeleiteten Immunsystems, von
Viren und Bakterien, von Medikamenten, von Anstrengung und vom Beruf.
Doch warum die Schleimhaut der Atemwege so heftig reagiert, das war
bisher immer noch unklar. Jetzt ist Wissenschaftlern ein neuer Schritt
zu einem besseren Verständnis der Entstehung von Asthma gelungen. Sie
sind einer speziellen Art von Zellen auf die Spur gekommen die einen
Botenstoff produzieren, der viele Asthmasymptome provoziert. Und sie
haben das übergeordnete Steuerungsmolekül gefunden. Wenn sie dieses
regulieren oder abschalten könnten, wäre der Weg für neue Therapien
frei.
In den letzten 100 Jahren hat sich Asthma von einer eher seltenen
Lungenkrankheit zum Massenleiden entwickelt. Rund 300 Millionen
Menschen leiden weltweit an Asthma. Alleine in Deutschland sind
zwischen fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung erkrankt. Dabei trifft
es Männer doppelt so häufig wie Frauen. Bei Asthma bronchiale kommt es zu einer chronischen Entzündung der
Atemwege. Die Schleimhaut der Bronchien reagiert auf harmlose
körperfremde Stoffe mit vermehrter Durchblutung, Schwellung und Bildung
von zähem Sekret. Zudem verkrampft sich die Bronchialmuskulatur (sog.
Bronchospasmus). Dies führt zu einer Verengung des Lumens (innerer
Querschnitt) der Bronchien, was eine Behinderung der Atmung und damit
der Sauerstoffzufuhr zur Folge hat. Aus welchem Grund die Schleimhaut der Atemwege bei Asthmatikern so
heftig reagiert, ist nicht genau bekannt. Bekannt ist, dass allergische
Immunreaktionen wesentlich zur Entstehung von Asthma beitragen können.
Eine bedeutende Rolle spielen dabei hyperreaktive Th-Zellen – ein
Bestandteil des köpereigenen Immunsystems. Unterschiedliche T-Zellen nehmen dabei verschiedene Aufgaben in der
Immunabwehr wahr: Solche mit Helferfunktion – die so genannten
Th-Zellen – produzieren unterschiedliche Zytokine, die der
Kommunikation der Immunabwehrzellen untereinander dienen und so helfen,
koordiniert Krankheitserreger oder auch Tumorzellen zu bekämpfen.
Reagieren diese Zellen jedoch unverhältnismäßig agressiv auf an sich
harmlose Substanzen, können sie auch Krankheiten auslösen. „Bisher konnte lediglich die Existenz von Th9-Zellen nachgewiesen
werden. Dass der Botenstoff IL-9 bei Asthma eine Rolle spielt war
ebenfalls bekannt. Da allerdings neben T-Zellen auch andere Zellen IL-9
produzieren können, war die Rolle der Th9-Zellen nicht klar. Um jedoch
gezielt therapeutisch eingreifen zu können, war es notwendig, den
zugrunde liegenden molekularen Mechanismus der Entstehung und Funktion
dieser Zellen aufzudecken. Unsere Untersuchungen zeigten schließlich,
dass IRF4 – ein Molekül, welches entscheidend an der Regulation von
Genen beteiligt ist – essentiell für die Entstehung und Funktion von
Th9-Zellen ist“, erklären Dr. Tobias Bopp und Prof. Dr. Edgar Schmitt
vom Institut für Immunologie der Universtität Mainz. Mit dieser – etwas wissenschaftlichen Erklärung – betonen Bopp und
Schmitt, dass sich  sich mehrere Untergruppen von T-Helfer-Zellen
unterscheiden lassen. Darunter befinden sich auch die Th9-Zellen. Und
gerade diese spielen eine wesentliche Rolle bei der chronischen,
entzündlichen Erkrankung der Atemwege. Denn sie produzieren den
Botenstoff IL-9, der für eine Vielzahl verschiedener Asthma-Symptome
verantwortlich ist. Gesteuert wird dieser Prozeß vom Gen-regulierenden
Molekül „IRF4“, der vor allem die Entstehung und Funktion der
Th9-Zellen reguliert. Die Entdeckung könnte die Behandlung immunologischer Erkrankungen
verbessern und den Betroffenen helfen. Im nächsten Forschungsschritt
müssen nun Stoffe, die zum Teil in der Natur vorkommen und die
IL-9-Produktion unterdrücken, untersucht sowie deren Wirkungsweise
aufgeklärt werden, um neue Therapieansätze zur Behandlung von Asthma zu
entwickeln. WANC 19.08.10, Quelle: Valérie Staudt et al., “Interferon-Regulatory
Factor 4 Is Essential for the Developmental Program of T Helper 9
Cells”, Immunity (2010), doi:10.1016/j.immuni.2010.07.014
 
 
 
 
 
 
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