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Die Bildung eines Menschen beeinflußt das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung (Foto: Stock photo)
> Wie Intelligenz das Herz-Kreislauf-Risiko beeinflußt
Es gibt mehrere kritische Faktoren,
die eine Herz-Kreislauf-Erkrankung befördern können. Doch welches
Risiko wiegt schwerer? Dass Rauchen der wichtigste Risiko-Indikator
ist, verwundert kaum. Dass aber ein niedriger Intelligenz-Quotient (IQ)
nach dem Rauchen das zweit-wichtigste Risiko darstellt, das überrascht
– zumindest ein wenig. Damit ist er noch bedeutsamer als Übergewicht
und Bluthochdruck. Auch für die gesamte Gesundheitssituation gilt: Wer
intelligenter ist, bleibt offenbar gesünder. 
Dr. David Batty, Leiter der Studie West of Scotland Twenty-07, nennt
mehrere Mechanismen, weshalb ein niedriger IQ das Risiko einer
Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöht. Insbesondere sind das der
Zusammenhang von geringer Intelligenz und gesundheitsschädigendem
Verhalten z. B. hinsichtlich Rauchen oder geringer körperlicher
Aktivität, und die damit verbundenen Folgen wie Übergewicht oder
Bluthochdruck. Eine weitere mögliche Erklärung sei der Umstand, dass der IQ eines
Menschen als Indikator der Summe im Laufe seines Lebens erfolgter
physischer Schäden etwa durch Krankheit oder Fehlernährung angesehen
werden kann. Batty betonte, dass die individuellen Fähigkeiten eines Patienten,
reflektiert durch seinen IQ, von großer Wichtigkeit für das Management
seiner kardiovaskulären Risikofaktoren sind. Außerdem sei der IQ einer
der wichtigsten Gründe dafür, dass die soziale Schicht in hohem Maße
für Ungleichheiten hinsichtlich der gesundheitlichen Versorgung
maßgeblich sei. Prof. Dr. Helmut Gohlke, Chefarzt Abt. Klinische Kardiologie II;
Herz-Zentrum in Bad Krozingen, bewertet die Ergebnisse so:. „Der
niedrige IQ ist kein Risikofaktor, sondern lediglich ein Indikator für
höhere Gefährdung. Der IQ ist auch keineswegs vollständig
begabungsabhängig, sondern auch bildungs- und ausbildungsabhängig.“ Es sei seit langem bekannt, dass sozial Unterprivilegierte eine
erheblich geringere Lebenserwartung haben als Bevölkerungsgruppen in
den oberen sozialen Schichten. Gohlke: „In Deutschland ist das
Mortalitätsrisiko der niedrigeren Einkommensgruppen, bei vergleichbarem
Alter im Vergleich zur ökonomisch am besten gestellten Gruppen um den
Faktor 2,5 erhöht, und damit liegt die Bedeutung des sozialen Status –
gemessen am Einkommen – in der gleichen Größenordnung wie diejenige des
IQ.“ Untersucht wurden im Rahmen der Studie die Auswirkungen sozialer
Faktoren auf die Gesundheit in der Allgemeinbevölkerung, dabei wurden
Daten zu Körpergröße, Gewicht, Blutdruck, Tabakkonsum, körperlicher
Aktivität, Bildung und Beruf von 1.145 Männern und Frauen im Alter von
rund 55 Jahren über einen Zeitraum von 20 Jahren erfasst. Die geistigen
Fähigkeiten (IQ) wurden mit einem der üblichen Intelligenztests
ermittelt. „Die Konsequenzen für eine Prävention liegen ganz klar in erster Linie
im gesellschaftspolitischen Bereich“, mahnt Gohlke. „Empfehlungen zur
Prävention müssen auf die geistigen Aufnahme-Fähigkeiten und auf die
realen Lebens- und Arbeits-Bedingungen des Adressaten abgestimmt sein.“ WANC 19.02.10, Quelle: European Journal of Cardiovascular Prevention and Rehabilitation, European Society of Cardiology (ESC)
 
 
 
 
 
 
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