Foto: Stock photo
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> Vaginalpilz: Folgen übertriebener Hygiene

Die meisten Frauen leiden mindestens
einmal in ihrem Leben unter Vaginalpilz. Manche müssen die unangenehmen
Symptome wie starkes Jucken, Brennen und Ausfluss auch häufiger
ertragen. Bei ihnen kehrt die Scheidenpilzinfektion regelmäßig wieder
und nimmt einen chronischen Verlauf.
Doch nicht immer ist der
Vaginalpilz die Ursache der chronischen Beschwerden, wie Prof. Dr. Eiko
Petersen – ehemaliger Leiter der Abteilung für Infektiologie der
Universitäts-Frauenklinik Freiburg und Mitglied des Wissenschaftlichen
Beirats im Deutschen Grünen Kreuz e. V. – weiß. Übertriebene Hygiene
kann die empfindliche Haut im Genitalbereich 
ebenfalls schädigen und
die oben genannten Symptome auslösen. 


Die Scheide besitzt ein spezifisches Milieu, in dem viele
Laktobazillen, aber in geringer Menge auch Darmbakterien und Pilze zu
den häufigen Bewohnern gehören. Bei einer gesunden Frau sorgen die
Milchsäurebakterien (Laktobazillen) für einen sauren pH-Wert, bei dem
das Wachstum unerwünschter fakultativ pathogener Bakterien und Pilze
gehemmt wird. Wird der pH-Wert neutralisiert, ist das Gleichgewicht
gestört und Mikroorganismen können sich ausbreiten und eine Infektion
auslösen. Ursachen für die Änderung des pH-Werts sind Blutungsstörungen und
Hormonschwankungen, beispielsweise während der Pubertät, der
Menstruation, in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren. Auch
Stress, die Einnahme von Antibiotika, die ebenfalls die erwünschten
Laktobazillen hemmen und das körpereigene Immunsystem verändern können,
oder Grunderkrankungen wie Diabetes können die Scheidenflora negativ
beeinflussen.

 „Die Erfahrung zeigt“, warnt Petersen, „dass bei Patientinnen mit
chronischen Problemen, insbesondere brennenden Beschwerden, im äußeren
Genitalbereich die nachgewiesenen Pilze meist nur ein zusätzliches
Geschehen sind oder schon gar nichts mehr damit zu tun haben, auch wenn
die Symptome weiterbestehen.“ Oft stecken Hauterkrankungen oder eine Hautschädigung dahinter.
Letztere ist unwissentlich oft selbst verursacht, nämlich dann, wenn
die Körperpflege übertrieben wird, was bei den bestehenden Problemen
nahe liegt: Nach jedem Toilettengang wird gewaschen, das Bidet benutzt
oder werden Feuchttücher eingesetzt – das kann zu Hautschädigungen
führen, gerade im sensiblen und zarten Genitalbereich, der wegen der
Nähe zum Darmausgang stark mit Mikroorganismen besiedelt ist. Selbst
durch winzige Risse in der Haut können die Keime dann in den Körper
eindringen. 

 Am Anfang der Beschwerden kann auch tatsächlich eine Pilzinfektion
vorliegen, die durch die Entzündung die Haut schwächt und verletzlich
macht. Nach wiederholten Pilzbehandlungen ist bei manchen Frauen der
Pilz beseitigt, nicht aber die Beschwerden, die jetzt weniger in einem
Juckreiz, sondern eher in einem Brennen bestehen. Was für einen Pilz
gehalten wird, ist inzwischen eine Allergie. In diesen Fällen bringt nur richtige Hautpflege eine Besserung.
Petersen empfiehlt: „Ganz wichtig ist Fetten, beispielsweise mit
speziell für den Intimbereich entwickelten Pflegesalben. Das beugt
Schäden vor und normalisiert empfindliche Hautzonen. Gelegentlich kann
auch kurzfristig eine Kortisonsalbe eingesetzt werden.“ Sein bester Rat
ist das Fetten der Haut des Ano-Genitalbereichs nach dem Waschen und
vor allem vor jeder mechanischen Strapazierung wie vor dem Stuhlgang,
vor dem Wasserlassen, vor dem Tamponeinführen etc.

 Doch wie erkennt man, ob eine Pilzinfektion vorliegt oder nicht?
Grundsätzlich verursacht eine Pilzinfektion Juckreiz. Nur bei
zusätzlicher Hautbeschädigung tritt auch Brennen auf. Wird bei Juckreiz
aber immer nur an Pilz gedacht, so kann leicht eine im äußeren
Genitalbereich vorhandene, ebenfalls mit Juckreiz einhergehende und
auch relative häufige Hautkrankheit in ihren Anfängen übersehen werden.
Diese nennt sich Lichen sclerosus und ist eine chronische Entzündung
der Haut. Bei der kommt es bei zu später Behandlung zu erheblichen
irreversiblen Hautveränderungen mit chronischem Juckreiz. Bei manchen
Frauen beginnt sie schon in der Kindheit.

 Der Gynäkologe kann eine Erkrankugn aussschließen oder feststellen.
Üblicherweise sind Pilzinfektionen akute Ereignisse, die mit einer
Anti-Pilzsalbe auch selbst behandelt werden können. Wenn die
Beschwerden aber chronisch geworden sind, muss unbedingt an eine
Dermatose oder eine Hautirritation gedacht werden. 

 Inzwischen gibt es auch einen Test, der innerhalb weniger Minuten
Auskunft darüber gibt, ob eine Infektion mit dem Pilz Candida albicans
die Ursache der Beschwerden ist. Anhand des Testergebnisses kann dann
das weitere Vorgehen genau geplant werden. Den Test gibt es rezeptfrei
in der Apotheke. WANC 18.09.09/ Quelle: DGK
 
 
 
 
 
 
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