Ein kleiner Pieks schützt gegen die Gefahren von Infektionen
> Reiseimpfungen nicht vergessen

Wenn einer eine Reise tut, sollte er sich frühzeitig vor vielen Krankheiten schützen, die unterwegs „lauern“. Das heißt also: impfen, impfen, impfen – und zwar in jedem Lebensalter. Für Reiselustige ab 60 gibt es sogar zusätzliche Empfehlungen. Zu spät ist es vor der Reise mit dem Impfen übrigens so gut wie nie, manche Impfungen sind sogar noch am Abreisetag möglich wie etwa die gegen Hepatitis A.

Ein Schutz vor Tetanus (Wundstarrkrampf) und Diphtherie ist ein Muss, ganz unabhängig davon, ob eine Reise geplant ist oder nicht. Alle zehn Jahre muss die Impfwirkung aufgefrischt werden – und das „lebenslänglich“. Zu bevorzugen sind dabei Kombinationsimpfstoffe, die gleichzeitig vor beiden Krankheiten schützen.

Tetanuserreger sind weltweit verbreitet. Die Bakterien gelangen schon über kleinste Wunden in den Körper und lösen äußerst schmerzhafte Muskelkrämpfe hervor. Ist die Atemmuskulatur beteiligt, kommt es zu Erstickungsanfällen. Trotz moderner Behandlungsmethoden liegt die Sterblichkeit ungeimpfter Tetanuskranker noch immer bei mehr als 30 Prozent.

Kürzlich berichtete die Fachzeitschrift JAMA von einem Patienten aus den USA, der nach einem Urlaub in Haiti an Diphtherie erkrankte und starb. Mit Halsweh und Schluckbeschwerden fing es an. In den USA ist die Krankheit so selten wie bei uns, deshalb sind die Ärzte mit den Krankheitssymptomen oft gar nicht vertraut, und es verstreicht wertvolle Zeit bis zur Diagnose. Das schließlich eingesetzte Diphtherie-Heilserum, das es nur als Pferdeserum gibt und gegen das viele allergisch reagieren, konnte den Patienten nicht mehr retten. Er starb nach mehr als zwei Wochen qualvoller Krankheit, weil er nicht ausreichend geimpft war.

Und: Auch wer als Kind eine Diphtherie durchgemacht hat, muss unbedingt geimpft werden, denn die Krankheit hinterlässt keinen Schutz gegen eine erneute Infektion!

Jeder Erwachsene sollte in seinem Leben mindestens vier Mal gegen Poliomyelitis (Kinderlähmung) geimpft worden sein, egal ob bis 1998 mit Schluckimpfstoff oder danach per Injektion. Inzwischen sind viele Regionen der Welt poliofrei. Aber die Ruhe ist noch trügerisch, immer wieder flackern Herde auf. Deshalb muss vor Reisen in Regionen mit Poliovorkommen – Asien und Afrika – der Impfschutz unbedingt überprüft und eventuell aufgefrischt werden. Hier gilt ebenfalls die Zehn-Jahres-Regel.

Aufgrund eines größeren Ausbruchs in Nigeria im vergangenen Jahr – diesen Zusammenhang vermutet die Weltgesundheitsorganisation WHO – sind in den ersten Monaten diesen Jahres in mehreren Ländern Afrikas wieder Polio-Fälle aufgetreten. Das zeigt, wie schnell die Krankheit wieder eingeschleppt werden kann, wenn die Viren auf eine Bevölkerung treffen, die nicht ausreichend geimpft ist

Extraportion für Senioren

Nirgendwo auf der Welt ist man vor der Virusgrippe, der Influenza, sicher. Wenn die Grippesaison hier bereits am Abklingen ist, steht sie auf den Südhalbkugel „in den Startlöchern“ - von April bis September, in den Tropen sogar ganzjährig. Deshalb sollte für alle ab 60 Jahre und chronisch Kranke jeden Alters eine Selbstverständlichkeit sein, sich jedes Jahr mit dem aktuellen Influenza-Impfstoff impfen zu lassen. Auch sollten alle gefährdeten und über 60 Jahre alten Menschen gegen Pneumokokken geimpft sein. Pneumokokken, die vor allem bedrohliche Lungenentzündungen und Blutvergiftungen verursachen können, kommen weltweit vor. Gegen sie schützt eine alle sechs Jahre fällige Wiederholungsimpfung. Und dies auch unabhängig von einer Reise in die Ferne

Impfungen für die Reise
Sozusagen ein Klassiker unter den Reiseimpfungen ist diejenige gegen Hepatitis A, eine durch Viren verursachte Leberentzündung. Die Hepatitis A führt zwar nicht zu einer chronischen Leberentzündung, es können beim Erwachsenen allerdings über Monate anhaltende klinische Verläufe auftreten. Vor allem ältere Erkrankte können – wenn auch selten – daran sterben. Die Erkrankungshäufigkeit ist in den letzten Jahrzehnten in Deutschland und anderen industrialisierten Ländern rückläufig. Weit verbreitet ist Hepatitis A hingegen noch in einigen süd- und osteuropäischen sowie in allen tropischen und subtropischen Ländern.

Hierzulande besitzen manche ältere Menschen einen natürlichen Schutz, weil sie in der Kindheit eine Infektion mit Hepatitis-A-Virus durchgemacht haben. Bei Kindern verläuft die Krankheit oft nur mit wenigen Krankheitszeichen oder gänzlich unbemerkt. Wer also älter als 50 Jahre ist, kann einen Bluttest vornehmen lassen und braucht möglicherweise nicht ge-impft zu werden.

Die Hepatitis B verursacht ein sehr ähnliches Krankheitsbild wie die Hepatitis A, sie ist aber noch gefährlicher. Hier besteht die Gefahr, dass die ohnehin bedrohliche Infektion chronisch wird und sich nach vielen Jahren eine Leberzirrhose oder Leberkrebs entwickelt. Die Hepatitis-B-Viren werden über Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen, zum Beispiel beim ungeschützten Sex. In entwickelten Ländern sind Blut und Blutpräparate generell auf Krankheitserreger getestet und ärztliche Instrumente sorgfältig sterilisiert und können so als sicher gelten. In vielen Reiseländern Afrikas, Südamerikas oder Asiens aber gibt es diese Standards nicht, weswegen eine Impfung für diejenigen empfehlenswert ist, die sich im Urlaub einer Verletzungsgefahr aussetzen, wie sie zum Beispiel bei Trekkingreisen eher gegeben ist, oder wenn im Reiseland möglicherweise ärztliche oder zahnärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden muss.

Typhus ist eine schwere Allgemeininfektion mit hohem Fieber von etwa 40 °C, die sich etwa über drei Wochen hinzieht. Begleitsymptome sind Durchfälle und Benommenheit, Leber und Milz können anschwellen. Wegen seines uncharakteristischen Krankheitsbildes wird Typhus oft erst spät erkannt. Komplikationen wie Darmblutungen oder Lungentyphus sind lebensbe-drohlich.

Die Infektionsgefahr steht in engem Zusammenhang mit den im Reiseland herrschenden hygienischen Verhältnissen. Übertragen werden die Bakterien durch mit Kot verunreinigte Nahrungsmittel und Getränke oder durch Schmierinfektion von Mensch zu Mensch.

Typhus ist in den letzten Jahrzehnten in den meisten Industrieländern (auch Deutschland) selten geworden. Probleme bereiten vor allem im Ausland erworbene Typhus-Infektionen, bei denen zudem vermehrt Antibiotikaresistenzen beobachtet werden. Stark verbreitet ist die Krankheit in Nord- und Zentralafrika, auch in Asien, Süd- und Mittelamerika besteht Infektionsgefahr, selbst in Südeuropa kann die Krankheit auftreten.

Eine Impfung ist immer dann empfehlenswert, wenn die Reise unter einfachen Bedingungen in Länder mit unzureichendem Hygienestandard geplant ist. Geimpft wird mit einem Schluckimpfstoff, einem Injektionsimpfstoff oder mit einer Hepatitis-A/Typhus-Kombination.

Zecken gibt es überall, die von Zecken übertragenen FSME-Viren glücklicherweise nicht. Die FSME ist eine in manchen Fällen gefährlich verlaufenden Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute. In Europa sind die Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis verbreitet, ebenso in Mittel-, Ost- und Nordeuropa und in großen Teilen Russlands, in der Ostausdehnung sogar bis Japan. Aber warum in die Ferne schweifen. Schon bei Reisen in den Süden Deutschland oder nach Österreich gibt es hinreichend „Gelegenheit“, sich beim Waldspaziergang oder dem Picknick am Fluss eine Zecke aufzusammeln. Gut beraten ist, wer sich rechtzeitig gegen FSME impfen lässt, unter Umständen kurzfristig mit einem Kurzzeitschema. Gegen die Borreliose allerdings ist diese Impfung machtlos. Da hilft nur, sich vorher mit insektenabwehrenden Mitteln einzureiben, sich nach Zecken abzusuchen und bereits festsitzende Zecken vorsichtig zu entfernen und die Stichstelle noch vier Wochen lang zu beobachten. Zeigt sich eine kreisförmige Rötung, müssen Antibiotika eingenommen werden, um die Bakterien abzutöten.

Die Gelbfieberimpfung ist die einzige Impfung, die bei der Einreise in bestimmte Länder verlangt wird. Die Verbreitungsgebiete der übertragenden Stechmücken liegen im tropischen Afrika und Südamerika im so genannten Gelbfiebergürtel. Andere Länder, in denen zwar Gelbfieber nicht vorkommt, aber die klimatischen Bedingungen das Einschleppen möglich machen, können bei Einreise aus Gelbfiebergebieten ebenfalls ein Impfzertifikat verlangen. Dies muss bei Einreise mindestens zehn Tage alt sein, aber nicht älter als zehn Jahre. Geimpft werden darf nur in Gelbfieberimpfstellen.

Die schwere Viruserkrankung geht mit Allgemeinerscheinungen, hohem Fieber, eventuell blutigem Urin und Erbrechen und schließlich Organversagen, Delirium und Bewusstlosigkeit einher. Wenn die Leber in Mitleidenschaft gezogen ist, sterben bis zu 50 Prozent der Betroffenen. Es gibt aber auch leichte und „untypische" Krankheitsverläufe.

Tollwut dagegen verläuft in jedem Falle tödlich. Die Viren werden durch den Biss eines infizierten oder kranken Tieres übertragen, aber auch schon das Belecken von verletzten Hautstellen kann für eine Infektion ausreichen. Deshalb Hände weg von Tieren! Streunende Hunde und Katzen mögen einen zwar dauern, aber sie bergen auch akute Krankheitsgefahr. Wer sich in Ländern mit hohem Tollwutvorkommen viel in Kontakt mit Land und Leuten kommt – wie zum Beispiel Indien, der sollte sich vorab gegen Tollwut impfen lassen.

Infektionen mit Meningokokken rufen Hirnhautentzündungen und im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung hervor. Übertragen werden die Bakterien über eine Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. In einigen Gebieten der Erde kommen diese Erreger häufiger vor als bei uns. So ist etwa der Meningitisgürtel Afrikas zu nennen, der sich südlich der Sahara vom Sudan bis nach Gambia erstreckt. Je nachdem wohin die Reise geht, muss der passende Impfstoff ausgesucht werden, für eine Reise zu den Heiligen Stätten des Islam wie etwa Mekka ist der 4-fach-Imfstoff gegen Meningokokken-A, -C, -W-135 und -Y sogar vorgeschrieben. Aber auch europäische Nachbarländer haben aufgrund von hohen Fallzahlen an Meningokokken-C-Erkrankungen Impfempfehlungen erlassen, so zum Beispiel England, die Niederlande, Griechenland und Spanien. Dort wird den Erregern mit modernen, konjugierten Meningokokken-C-Impfstoffen Einhalt geboten, und damit die Hauptrisikogruppen – Kinder und Jugendliche – geschützt. Die hiesige Empfehlung lautete dahingehend, dass sich Austauschschüler und -studenten vor längeren Aufenthalten in diesen Ländern ebenfalls impfen lassen sollten.

Die Japan-Enzephalitis wird ebenfalls von Viren verursacht. Mücken übertragen die Erreger beim Stechen. Allerdings besteht die Infektionsgefahr nur in einigen Gebieten Asiens vor, wo ausgedehnte Wasserwirtschaft, zum Beispiel Reisanbau betrieben wird. Touristen gelangen selten in diese Gebiete. Sollte dennoch eine längere Reise in der mückenreichen Jahreszeit in solche Gebiete gehen, ist eine Impfung zu erwägen. Informationen gibt es bei einer reisemedizinischen Impfstelle. Und überdies sollte ein guter Mückenschutz selbstverständlich sein.

Und zu guter Letzt: Erkundigen Sie sich frühzeitig, ob in Ihrem Reiseland Malaria vorkommt. Für verschiedene Regionen gibt es unterschiedliche Empfehlungen für Medikamente. Neh-men Sie dann die entsprechenden Tabletten unbedingt nach Vorschrift ein und kürzen sie auch die Einnahmedauer nach Rückkehr auf keinen Fall ab. Nur so ist das Risiko der tückischen Tropenkrankheit möglichst gering zu halten. Denn gerade bei älteren Menschen ist der Verlauf oft schwer. Für Patienten, die bestimmte Medikamente regelmäßig einnehmen müssen, zum Beispiel gegen Herzerkrankungen oder bei Diabetes, ist allerdings nicht jedes Malariamedikament zur Prophylaxe geeignet. Ihr Arzt wird Sie dazu genau beraten. 2003 wurden in Deutschland dem Robert Koch-Institut 918 Malariafälle, darunter fünf Todesfälle, gemeldet. (Epidemiol Bull 22/2004). Aber auch die Einnahme von Medikamenten schützt nicht zu 100 Prozent. Daher muss bei Auftreten von Fieber oder unklaren Beschwerden nach einem Tropenaufenthalt immer ein Arzt aufgesucht werden.

Ganz wichtig ist außerdem, sich vor allem in der Dämmerung und Dunkelheit alle paar Stunden mit mückenabwehrenden Mitteln einzureiben und Kleidung mit langen Ärmeln und Be-nen zu tragen. Wirkungsvoll ist ebenfalls, unter einem Moskitonetz zu schlafen. Denn die Malaria übertragenden Moskitos sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Dagegen sind andere Mückenarten tagsüber gefährlich, denn sie können Dengue-Viren übertragen. Dengue-Fieber tritt vor allem in Mittel- und Südamerika, Asien, aber auch in Afrika auf. Es gibt bislang weder eine Impfung noch eine medikamentöse Prophylaxe dagegen.

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